Täter-Opfer Umkehr

Victim blaming

TabuThemen

Schweigen

Sexualität.

Objektifizierung der Frau.


Warum lösen Körper und Klamotten so viel Urteil in anderen Menschen aus?

Warum heißt sich „attraktiv“ / „schön“ / „freizügig“ zu kleiden gleichzeitig, dass man „selber Schuld“ daran ist, wenn das auf Reaktionen stößt?

Und ab wann fängt eine Übergriffigkeit in der Reaktion an?

Wieso trage ich Verantwortung für meine Außenwirkung, anstatt einfach so sein zu können, wie ich bin?

Wieso wird mir sexuelles Interesse unterstellt / zugeschrieben?

Warum hat mein Aussehen immer unbedingt eine Intention im Gegenüber?


Ich poste ein Bild. Es ist definitiv ein Shooting. Fotografie als Kunstform. Ich zeige nicht mich im Alltag, sondern konstruiere ein ästhetisches Zusammenspiel von Ausdruck, Atmosphäre, Komposition. Einen Vibe. Eine Szene. Ich schlüpfe in eine Rolle. Ich bin Schauspielerin.

Und werde vor die Frage gestellt, was meine Beweggründe für dieses Foto sind.

In welcher Kunstform ist Nacktheit und Sexualität in Ordnung? Aktzeichnungen sind gesellschaftlich akzeptiert.

Was ist überhaupt Sexualität und warum denken andere Menschen über Sex nach, wenn sie das Foto sehen – warum ist dies, das ausschlaggebende Thema?

Das lässt viel mehr auf deine Prägung und dein Urteilsweg rückschließen als auf mich…

Wieso muss ich mein Foto interpretieren? Wieso brauche ich analytische Beweggründe?

Warum kann es nicht als das genommen werden, was es ist? Viel unverfänglicher, viel profaner, viel normaler?

Wir füttern eine gesellschaftliche Norm durch Urteile.

Statt offen zu sein für jeden, so wie er ist und mit dem was er macht.

Freiheit. Fängt im Urteil an.

Ich emanzipiere mich von dem Urteil der Leute, wie ich zu sein, mich zu verhalten, mich zu kleiden habe.

Ich habe einen Körper.

Eine Art und Weise mich zu verhalten.

Zu begegnen.

Ein Empfinden für Ästhetik und Lifestyle.

Ich emanzipiere mich von der Notwendigkeit der Rechtfertigung.

Ich habe nicht die Intention, irgendjemanden zu „verführen“.

Diese Unterstellung ist belastend.

Und so falsch, denn sie dient Männern als Ausrede für ihre sexuelle Übergriffigkeit.

Eine Gesellschaft vielleicht so erzogen, aber mit dem Potenzial sich davon zu emanzipieren.

Meine Intention ist es frei zu sein. Meine Entscheidungen zu treffen. Frei von deinem Urteil.

Ich spüre dein Urteil. Und es stimmt mich traurig.

Aber ich lebe in einem Umfeld, in dem ich so sein darf wie ich bin, in dem ich, mein Körper und mein Verhalten nicht als negativ oder problematisch gewertet wird.

Und ich hoffe, dass immer mehr Menschen genau so ein Umfeld leben.

Frei von negativer Bewertung.


Mein Outfit ist keine Einladung.

Mein Verhalten keine Aufforderung.

Und meine Fotos keine Objektifizierung.


Woher kommt es, das Männer so denken?

Wieso sind die Geschlechtermerkmale bei vielen noch so an eine exklusive Sexualität geknüpft?

Warum darf ein Mann oberkörperfrei herumlaufen, eine Frau aber nicht?


Warum soll sich das „Opfer“ der Bewertung ändern, statt der Bewerter?

Wieso impliziert mein Körper Sexualität? Seit wann ist Nacktheit eine sexuelle Einladung?

Das ist nicht wie ich die Welt sehe, noch in welchem Umfeld ich leben will, noch wie ich über die Welt denken will.

Wo fängt Umdenken an? In mir. Und im Austausch mit anderen. Der Reibung, dem Konflikt, dem anders handeln.


Ich darf über meinen Körper bestimmen.

Ihn kleiden, ihn bewegen, in ihm sein.

Eine Freiheit, für die viele Frauen hart gekämpft haben und eine Freiheit für die ich weiter kämpfen werde.

Nur weil du als Mann durch meinen Köper in deiner Sexualität getriggert bist, habe ich als Frau damit doch wenig am Hut.

Ich sende dir schon Signale, wenn ich sexuelles Interesse an dir habe. Eindeutige Signale.

Aber solange ich das nicht tue, erlerne doch bitte die Fähigkeit meine Grenzen zu wahren und mich nicht zu sexualisieren.

Das wäre doch schön.

Damit ich in Freiheit leben kann.

Und mich nicht deinem Bild von mir als Frau anpassen muss.

Das Thema ist noch lange nicht zu Ende. Aber es ist ein Anfang.


Wenn alle Frauen nackt wären.

Dauerhaft.

Vielleicht

wären wir dann

mit unseren Körpern

endlich mal normal

Ein Gegenüber

Ein Mensch

unabhängig von den sexuellen Verhaltensregeln.


Vielleicht kommen wir irgendwann an den Punkt

Sexualität unabhängig vom Geschlecht

und mehr als Liebesform des Menschens wegen zu verstehen.

„Sex sells“ – ich verkauf dir nichts!

Und schon gar nicht meinen Körper.

Wirb um meine Seele.

Oder lass es bleiben.


Und wenn mein Verhalten, mein Aussehen, meine Klamotten, als freizügig und sexuell bewertet werden,

dann werde ich mich erst recht nicht ändern,

sondern die Provokation behalten und dafür kämpfen, dass es normal wird.

In der Welt in der ich leben will, dürfen Menschen sinnlich sein, und Sexualität ist mehr als ein gesellschaftliches heikles Tabuthema.

Und ich will weiter Fragen stellen und dieses Thema durchdringen.

Weil irgendwas ist da doch sehr faul….

Auf bald!