{"id":219,"date":"2021-06-26T06:59:55","date_gmt":"2021-06-26T06:59:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.xn--advnx-ira.de\/wp\/?p=219"},"modified":"2024-11-16T03:45:18","modified_gmt":"2024-11-16T03:45:18","slug":"federsprung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--advnx-ira.de\/wp\/?p=219","title":{"rendered":"Loslassen"},"content":{"rendered":"\n<p>Loslassen &#8211; ein Federsprung <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Lernprozesse erfolgen nicht immer linear! Sie sind eher vergleichbar mit einer Feder! Keine Vogelfeder. Obwohl das nat\u00fcrlich auch ein sch\u00f6nes Symbol w\u00e4re. Aber nein. In diesem Fall meine ich eine Sprungfeder. Wie man sie aus dem Bereich der Technik kennt. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Feder wird \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum Druck ausge\u00fcbt und parallel wird dieser Druck gesteigert. Die Zwischenr\u00e4ume zwischen den Federwindungen verkleinern sich, bis sie schlie\u00dflich minimal sind und einen Stillstand erreichen, da der Druck nun maximal ist. Ruckartig wird nun der Druck &#8222;losgelassen&#8220; (dieser Begriff wird sp\u00e4ter noch wichtig!) und die Feder springt! Dabei vergr\u00f6\u00dfern sich die Zwischenr\u00e4ume zwischen den Federwindungen wieder und \u00fcbertreffen sogar ihre Ausgangsdistanz. Den R\u00fcckgang in die Ursprungsform missachten wir bitte hierbei erstmal, der ist meinem Vergleich n\u00e4mlich momentan nicht sonderlich dienlich!<\/p>\n\n\n\n<p>Warum erz\u00e4hl ich aber das Ganze? Ich hatte heute einen solchen Sprungmoment! Seit Wochen k\u00e4mpfe ich ja mit Themen wie der inneren Freheit, in sich ruhen, Selbstfokus und nat\u00fcrlich meiner Rolle N. Mein Dozent Jobst hat auch immer ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, was bei uns Sch\u00fclern dran ist und in den letzten Wochen webte er oft extra auf mich geschusterte \u00dcbungen ins Training ein, lie\u00df mich vor der ganzen Sch\u00fclerschaft in mein Lernfeld treten und richtete viele Impulss\u00e4tze (Neologismus) auf mich aus. Er durcharbeitete mit mir Themen wie Rhytmus, Atmung, K\u00f6rper entspannen, Wut durch Kampf erzeugen, Gesten stehenlassen, Sweatpoints und Dynamikten sp\u00fcren, sich nicht zu verigeln und den Zweifel ausmerzen, stattdessen behaupten. Alles Themen, die ich euch eigentlich unbedingt auch n\u00e4her bringen wollen w\u00fcrde, weil sie f\u00fcr mich so wertvoll geworden sind, aber das muss man wohl auch alles praktisch durchmachen!<\/p>\n\n\n\n<p>Und heute kam dann ein Befreiungsthema, welches die Grundlage f\u00fcr all diese Problematiken bildet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wurde aber auch im Privatleben mitvorbereitet und weil das so sch\u00f6ne Anekdoten sind, werde ich zumindest die, die mir nicht zu privat sind, auch teilen! <\/p>\n\n\n\n<p>Steigen wir nur mit einem Nebensatz (Metapher) in den Bereich des Selbstfokus ein: Verliebtheit raub Selbstfokus, bzw. besser ausgedr\u00fcckt Selbstverankerung. Zu diesem Thema ist aber schon seit Wochen ein anderer Artikel in Planung, durch die innere Nacktheit dabei, aber noch nicht sonderlich weit im Prozess! Viel mehr will ich da also momentan gar nicht drauf eingehen, nur noch sagen, dass Distanz, Ruhe und Zeit einen wieder erden k\u00f6nnen! Aufgrund jener Distanz und weil alle anderen Freunde entweder kaputt von der 8 St\u00fcndigen Probe mit Jobst oder andersweitig besch\u00e4ftiigt waren, bin ich dann alleine zum Public Viewing. Deutschland gegen Ungarn. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mir ein Auto gemietet, bin nach Kreuzberg und dort in mein Lieblingviertel gefahren &#8211; in welchem ich im \u00dcbrigen auch in einem sch\u00f6nen Caf\u00e9 den Artikel &#8222;innere Freiheit&#8220; geschrieben habe &#8211; und habe nach einer Bar gesucht. Ziel: Mit Menschen connecten in der emotionalen Aufgeladenheit des Fu\u00dfballfiebers! Die sch\u00f6nen Bars waren leider alle erstens nur halb und zweitens nur mit alten S\u00e4cken gef\u00fcllt! Die Beleidigung ist in diesem Fall von meiner Selbst gestattet, wenn auch nicht ernst gemeint, da Alter f\u00fcr mich keineswegs ein Ausschlusskriterium ist! Diese Menschen strahlten aber altersbedingte Begleiterscheinungen aus, die meinem jugendlichen Tatendrang zumindest in dieser Situation nicht wirklich gerecht wurden, weswegen ich eine ganze halbe Stunde um die Bl\u00f6cke lief, um den perfekten Ort zu finden. Da h\u00e4tte ich mir das Auto zuvor fast sparen k\u00f6nnen, denn solange h\u00e4tte ich von zuhause auch nach Kreuzberg gebraucht, aber das sind alles blo\u00df Ausartungen meines schw\u00e4bischen Habitus!!! <\/p>\n\n\n\n<p>Ich fragte auf dem Weg zwei schwarze M\u00e4dchen (ihre Hautfarbe als beschreibendes Merkmal zu nennen, ist durchaus \u00fcberdenkenswert! Hier aber einmal bewusst gesetzt, da auch meine N mit solchen Themen k\u00e4mpft!) nach einem passenden Ort. Sie schickten mich weiter in eine Seitenstra\u00dfe rein. Dort lief ich an etlichen Restaurants vorbei. Ich schaute mir das Essen und die Leute an, aber hier in Berlin muss man mit Blicken schon manchmal aufpassen. Denn sobald du dich deiner Au\u00dfenwelt wirklich \u00f6ffnest, Interesse zeigst und Austausch bereit wirkst, reagiert die Stadt auf dich. So rief mir sofort ein Typ hinterher, ob ich denn Hunger h\u00e4tte und lud mich indirekt zum mitessen mit seinen drei Kumpels ein. Ein anderer, auf der Gegenspur vorbeilaufender Passant komplimentierte meine Augen (dazu kann man anmerken, dass ich mich seit vier Tagen das erste mal wieder geschminkt hatte, und mein &#8222;geschminktes Ich&#8220; denke ich doch anders auf Menschen wirkt, als mein &#8222;ungeschminktes Ich&#8220;, diese These gilt es jedoch noch zu verifizieren) und als ich grinsend Danke sagte, ohne anzuhalten, rief er mir auch noch ein Kompliment zu meine Lachen hinterher! Derlei kleine Geschichten gibt es an &#8222;ge\u00f6ffneten&#8220; Tagen oh mass &#8211; um aber auch nur irgendwie einen roten Faden zu behalten, steigen wir wieder bei dem Fu\u00dfballspiel ein:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lief also einmal im Kreis, nur um mich dann doch f\u00fcr einen Sp\u00e4ti an meinem Ausgangspunkt zu entscheiden. Manchmal ist das Gute vom Anfang, schon gut genug, aber Lernwege und Entscheidungsprozesse sind wichtig! Ein normal gro\u00dfer Fernseher war am rechten Ende aufgestellt und nach links sa\u00dfen dann 15 Meter lang Menschen dicht auf dicht! Happy &#8211; Corona &#8211; we &#8211; don&#8217;t &#8211; longer &#8211; be &#8211; afraid &#8211; Stimmung! Das Spiel lief schon eine Viertel Stunde &#8211; ich hatte aufgrund meines Entscheidungskampes das erste Tor verpasst &#8211; und dementsprechend war der Sp\u00e4ti auch schon rappel voll &#8211; mit halbwegs jungen Leuten :). Aufgrund meiner Augen (diesmal nicht deren Unwiderstehlichkeit sondern deren Sehschw\u00e4che xD) stellte ich mich dann einfach frech an den Sicherungskasten fast direkt vor dem Fernseher und verfolgte von dort das gesamte Spiel im Stehen! Ich connectete nonverbal mit dem Besitzer und in der Pause bot er mir an, mir einen Sitzplatz zu verschaffen. Ich lehnte aber dankend ab. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Spiel war spannend und ich checkte parallel die Leute aus und auf nat\u00fcrliche Weise entstehen so Verbindungen. Spannendes Feld. Svitlana h\u00e4tte nun den Ansatz: &#8222;Who is the hottest person in the room?&#8220;. Mit diesem Attraktivit\u00e4tsanalyseansatz hat sie sicher auch Recht, mir liegt es nur fern, das Ganze immer so platt auszudr\u00fccken. Denn dabei geht es mir keineswegs nur um die sexuelle, sondern prim\u00e4r um die zwischenmenschliche Ebene. Man entwickelt Haltungen gegen\u00fcber den anderen Gruppenmitgliedern. Attraktivit\u00e4t kann hierbei als Messinstrument f\u00fcr Interesse ausgelegt werden, auch auf rein platonische Ebene, nur ist das Wort attraktiv in vielen K\u00f6pfen stark an sexuelles Interesse gekn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Spiel n\u00e4herte sich dem Ende. F\u00fcr eine Minute, war die Freude gro\u00df, da Deutschland den ben\u00f6tigten Ausgleich geschossen hatte, um nicht aus dem Turnier zu fallen. Doch im direkten Konter fiel dann das 2:1 f\u00fcr Ungarn. Ich habe durchaus die F\u00e4higkeit in einen starken Mitfiebermodus zu schalten &#8211; was durchaus eine gute Ausgangslage ist, um so ein Fu\u00dfballspiel wirklich genie\u00dfen zu k\u00f6nnen &#8211; und dementsprechend entsetzt war ich \u00fcber diesen Schicksalsschlag f\u00fcr die Deutschen Nationalmannschaft. Ich brachte meine am\u00fcsiert-entsetzte Erschrockenheit zum Ausdruck, indem ich mich H\u00e4nde raufend ein paar Schritte vom Geschehen entfernte und kassierte daf\u00fcr am\u00fcsierte Bemerkungen von den zwei Typen neben mir, welche, bisher nicht sonderlich interessiert an dem Spiel, \u00fcber Business geredet hatten. Mit dem in meinen Augen attraktiveren von den Beiden hatte ich zuvor schon einige Blickwechsel ausgetauscht, wobei ich bewusst nicht mit ihm geflirtet habe, sondern mich in das Spiel gefuchst hatte &#8211; eben aus dem Aspekt geerdet zu bleiben, statt Gefahr zu laufen aus mir heraus zu fallen. Sich nicht zu fixieren, sondern &#8222;loszulassen&#8220; und locker mit Impulsen zu arbeiten!<\/p>\n\n\n\n<p> (Ich merke gerade ich k\u00f6nnte aus diesem Abend ein ganzes Romankapitel schreiben und ich verliere mich in Details. Aber es macht so Spa\u00df darauf einzugehen, sonst w\u00e4re die Geschichte auch nicht rund und ich habe schon vieles gek\u00fcrzt!)<\/p>\n\n\n\n<p>Also lange Rede kurzer Sinn, wir kamen ins Gespr\u00e4ch, er, sein Freund und ich. Auf Englisch nat\u00fcrlich, denn er ist aus S\u00fcdafrika und sein Freund aus Kanada. Dadurch wurde zwar meine Aufmerksamkeit von dem Spiel umgelenkt, doch ich wettete mit meinem S\u00fcdafrikaner, ob Deutschland noch ein Tor schie\u00dfen w\u00fcrde und brachte die zwei desinteressierten Zwangsfu\u00dfballzuschauer dazu, ebenfalls eine emotionale Reaktion zu dem Ausgleichstor 2:2 zu zeigen. Die beiden waren intelligent, erfolgreich (Olympia Athleth und Arbeiter in der Tech Branche), humorvoll, positiv, locker und keineswegs aufdringlich, weswegen ich sogar sehr gerne Nummern austauschte (im Gegensatz zu meinem Arzt, meinem Immobilien Menschen, meinem BWLer, aber das sind andere Geschichten!). Nachdem die zwei gegangen waren, blieb ich noch kurz und machte mich dann &#8211; diesmal doch zu Fu\u00df &#8211; auf den Heimweg. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier und da noch eine kurze zwischenmenschliche Aktion mit Fremden (das ist Berlin meine Freunde!) und schon war ich an meinem privaten REWE angelangt. Hier tummeln sich nachts immer die Obdachlosen &#8211; nichts Neues &#8211; aber heute war ein Neuer da (Manuel Neuer, bist du&#8217;s?). Aufgeweckter und positiver als alle anderen. Morgens gr\u00fc\u00dfe ich immer einen super h\u00f6flichen, sehr zur\u00fcckhaltenden Obdachlosen, wir haben inzwischen voll das gegenseitige Respektband gekn\u00fcpft, aber der gro\u00dfe Rest lebt in ihrer eigenen Drogen Blase und ihrem Milieu &#8211; auf sich selbst zur\u00fcckgezogen (wobei das nat\u00fcrlich auch zu pauschalisierend ist &#8211; Obdachlose zu analysieren ist eigentlich ein hochinteressantes Unterfangen, weil sie alle nicht geschleckt, sondern vom Leben gezeichnet sind!).<\/p>\n\n\n\n<p>Er jedenfalls und sein Anh\u00e4ngsel (ein anderer Obdachloser) fragten nach Kleingeld, ich bot ihnen stattdessen an, ihnen was zu essen zu kaufen, wie ich es  inzwischen manchmal mache und nahm dann die Bestellung auf: Ein Sandwich, Salami-Sticks und ein RedBull. Gesagt, getan, ich hatte sogar zwei RedBull gekauft, mit verschiedenen Geschm\u00e4ckern unter der subtilen Pr\u00e4misse dadurch mit den zwei ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Ein vor mir selbst unausgesprochener Wille? Tats\u00e4chlich wurde dies der Aufh\u00e4nger f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch und letztendlich f\u00fchrte es dazu, dass ich mich kurzerhand zu den zwei auf den Boden hockte (unter kritischen Blicken anderer Partyjugendlicher) und eine Stunde lang mit ihnen quatschte. Das Anh\u00e4ngsel (nur halb b\u00f6se gemeint, dient zur Unterscheidung und ist aber auch Ausdruck meines Sympathiegef\u00e4lles &#8211; &#8222;Ehrlichkeit vor Heuchelei&#8220; promotet auch unser Theaterst\u00fcck!) versuchte selbstmitleidig sein Schicksal zu teilen und sich durch recht intelligente Fragen im Vergleich zu seinem sonstigen Auftreten, meine Aufmerksamkeit zu erobern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der andere jedoch faszinierte mich. 56 Jahre alt, tattowiert und eine rundum positive Ausstrahlung. Alles nahm er mit Humor und einem sympathischen Lachen (originiert (Neologismus???) in Pers\u00f6nlichkeit statt in Drogen in meinen Augen!) und obwohl er zuvor seinen Anh\u00e4ngsel warnte, zu viel zu erz\u00e4hlen, begann er nach und nach offenherzig Geschichten auszupacken. Er hatte einst eine Frau und Kinder. Und drei H\u00e4user, die er aber an seine Kinder verschenkt hatte. Er hat anscheinend in seiner Jugend einen Puff in Stuttgart gegr\u00fcndet gehabt, war viel im Knast, hat 37 Eintr\u00e4ge bei der Polizei, hat 12 Jahre lang gekicktboxt und ist seit 20 Jahren auf der Stra\u00dfe, erst in Dresden, jetzt hier. Er erz\u00e4hlte mir allerhand Anekdoten, die mir Einblicke in das Stra\u00dfenleben verschafften. Von Leichen, \u00fcber harte Winter, \u00fcbers Aufgeben, \u00fcbers Angeln, \u00fcbers Betteln, \u00fcber die Rivalit\u00e4ten und Verbundenheiten. Sein kleines Gesch\u00e4ft neben dem Betteln und dem Flaschensammeln, war die Produktion von Schmuck. Er zeigte mir seine Utensilien und schenkte mir ein Armband. <\/p>\n\n\n\n<p>Als er herausfand, dass ich auf einer Schauspielschule bin, warf er kurzerhand sein Feuerzeug weg und br\u00fcllte: &#8222;Hey, sie hat mir mein Feuerzeug geklaut!&#8220;. Die 3 Security M\u00e4nner schauten auf, aber ich stieg in sein Spiel ein und ging ihn auch an. Nach diesem kurzen Wortgefetze schenkte er mir schlie\u00dflich das Feuerzeug, mit den Worten, das h\u00e4tte ich mir nun verdient! Um seine eigenen Schauspielerischen Qualit\u00e4ten (die im \u00dcbrigen sehr gut sind &#8211; ausgebildet im Knast, weil man da ja nicht viel mehr als sich selber hat, meinte er, und jaaaa Papa, das macht seine Geschichten nicht unbedingt vertrauensw\u00fcrdiger!) unter Beweis zu stellen, zitierte er kurzerhand ein uns beobachtendes M\u00e4dchen zu ihm, forderte sie auf ihm zu helfen, dr\u00fcckte ihr ein Kabel in die Hand und wies sie an, es im Boden einzustecken. So skurriel! Auf dem Pflasterboden vor dem REWE werden ja nie im Leben Steckdosen sein. Aber durch seine Selbstverst\u00e4ndlichkeit zweifelte das M\u00e4dchen keine Sekunde, kam her und b\u00fcckte sich! Wir bekamen uns nicht mehr vor Lachen, nat\u00fcrlich mit dem n\u00f6tigen Respekt, um das M\u00e4dchen nicht zu verletzen, aber die war selbst ziemlich taff und lachte mit, bis schlie\u00dflich ihr Freund kam und sie einsammelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter &#8211; es war schon nach Mitternacht &#8211; kam noch ein Typ vom RAW Gel\u00e4nde und wollte Drogen abkaufen. Nur das Anh\u00e4ngsel wollte ihm was bei Anderen beschaffen gehen, mein Obdachloser hingegen, der im \u00fcbrigen &#8222;nur&#8220; Speed nimmt, hielt das f\u00fcr dumm, er selbst w\u00fcrde f\u00fcr niemanden Drogen besorgen gehen, au\u00dfer f\u00fcr sich selbst! Wir liefen dann los, der RAW-Typ \u00e4nderte aber kurzerhand seine Meinung und wollte pl\u00f6tzlich mich von den Obdachlosen weg und mit zu seiner Party nehmen, aber ich lief dann doch einen anderen Weg zur\u00fcck zu den Obdachlosen. Die wollten mich noch zum zweiten Baum mitnehmen (Obdachlosenvokabular um Orte zu beschreiben &#8211; am ersten Baum h\u00e4ngen immer die T\u00fcrken rum, am zweiten die Deutschen!), aber ich verabschiedete mich und ging heim. <\/p>\n\n\n\n<p>Damit war mein Abend aber noch lange nicht zu Ende. Ein weiterer Berliner meldete sich per Insta-Direkt-Nachricht bei mir und es entstand noch ein skurriles Gespr\u00e4ch bis tief in die Nacht! <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Anziehungs\u00e4ra &#8211; die anscheinend ja auch durch das Telefon zu funktionieren scheint (halb ernst gemeint xD) &#8211; zog sich auch durch den n\u00e4chsten Tag. Ich hatte ziemlich Kopfweh bekommen durch den Vormittagsunterricht und setzte mich alleine in ein Restaurant, um ein wenig auszuspannen. Ich sa\u00df keine Minute, da sprach mich eine Frau an, ob ich f\u00fcr sie einen Brief schreiben k\u00f6nne. Sie stellte dies ziemlich geschickt an, wir Werber w\u00fcrden in ihr definitiv gro\u00dfes Werberpotenzial sehen, aber weil sie sehr nett wirkte und vielleicht auch weil ich doch immer noch keine konsequente Nein-Sagerin geworden bin, was ich im \u00dcbrigen eigentlich f\u00fcr richtig erachte, willigte ich ein. Ich bestellte also mein Essen (Champinionssp\u00e4tzle und dazu eine wei\u00dfe Schokolade mit Espresso, sehr geil!) und lie\u00df mir meine neu erworbene Aufgabe erkl\u00e4ren. Ein Wohnungsantrag f\u00fcr eine zwei Zimmer Wohnung in Kreuzberg! W\u00e4hrend ich also eine vorgefertigte Version fein s\u00e4uberlich abschrieb, fing mein Gegen\u00fcber an mir ihre halbe Lebensgeschichte zu erz\u00e4hlen. 57 Jahre alt, Rentnerin, fr\u00fcher im sozialen Bereich t\u00e4tig und nun in einem winzigen Hostelzimmer lebend. Sie blieb auch bei mir, als ich mein Essen a\u00df, rauchte eine Zigarette und erz\u00e4hlte. Doch durch meine Kopfschmerzen und die Anstrengungen am Morgen waren meine sozialen F\u00e4higkeiten auf ein Minimum geschrumpft, aber zuh\u00f6ren war noch drin. Sie verabschiedete sich, bezahlte ihren Espresso &#8211; aber nicht ihr Glas Wasser, das stand am Ende auf meiner Rechnung, nunja, wahrscheinlich ein Missverst\u00e4ndnis mit dem Kellner &#8211; und ging. <\/p>\n\n\n\n<p>All diese Ereignisse betteten mein parallel erfolgenden Lernsprung ein. Denn die Dinge, die ich im Schauspiel lerne, sind Dinge, die auch mein Alltagsich ver\u00e4ndern und &#8222;verbessern&#8220;, aber prim\u00e4r erstmal reflektieren! Diese Begegnungen gaben mir aber prim\u00e4r die n\u00f6tige Kraft und Leichtigkeit im Umgang mit anderen Menschen, um den Prozess des Loslassens, wirklich zu verstehen und praktizieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir also zu dem so hoch angeprangerten Training:<\/p>\n\n\n\n<p>Thema: Loslassen<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Satz, der auf der B\u00fchne gesprochen wird, ist ein Geschenk f\u00fcr das Publikum. Jedes Wort, das gesprochen wird, ist motiviert und muss gegriffen werden. Und diese W\u00f6rter und S\u00e4tze m\u00fcssen abgegeben werden. LOSGELASSEN! Sie nicht zur\u00fcckziehen oder f\u00fcr sich behalten. Sondern geben und mit ihnen ver\u00e4ndern WOLLEN!<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist krass! <\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben uns durch verschiedene \u00dcbungen an das Thema rangepirscht. Mit dem Bild eines Schleiers, der sich nach jedem Sinnabschnitt oder Satz \u00fcber die Zuschauer legt. Das Ganze erstmal durch das Heben und Senken der Arme unterst\u00fctzt und damit die Atmung automatisch mitgenommen, n\u00e4mlich beim Heben der Arme. Dann die S\u00e4tze auf dem Boden ablegen. Nach jedem Satz einen neuen Punkt auf dem Boden suchen und da sprechen, den Satz sterben lassen und frei ohne jegliche Verspannung weitergehen. Interessant war, dass ich anfangs noch innerlich eine Schere ben\u00f6tigt habe, weil die S\u00e4tze wie roher Teig an mit klebten. Ich realisierte, dass ich die S\u00e4tze sonst oft einfach wieder mitnahm und musste nun aktiv daf\u00fcr k\u00e4mpfen, die S\u00e4tze abzuschneiden. Gelang mir das, war auch meine K\u00f6rperhaltung sofort eine andere. Blieb ich jedoch kleben, blieben manche Muskelgruppen wie erstarrt in einer verkrampften Position. Um das ganze nun auch noch auf Schnelligkeit hin zu trainieren, haben wir uns einen Regenschauer auf einem See vorgestellt. Die Tropfen sterben in den Weiten des Sees. Solche Bilder helfen dir deinen Text anders zu greifen. Auch die \u00dcbung, die S\u00e4tze zu sprechen und parallel die skurrilsten Bewegungen zu t\u00e4tigen half mir an diesem Morgen. Denn auch dies verhindert Verspannung und l\u00e4sst die S\u00e4tze frei in den Raum. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Antagonist zu jenem Szenario des Loslassens ist der Angstgestus! Verkrampfung im K\u00f6rper, nicht mehr geerdet sein, Schultern hochziehen, Kopfstimme und Brustatmung. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte durchaus solche Symptome beim Spielen. Ich wusste nie wieso oder was dagegen unternommen werden kann. Klar kannst du diese Probleme technisch versuchen zu beseitigen. Aber das Kernproblem liegt mental. Denn es geht dabei darum in eine intensive Begegnung zu treten. Den anderen ber\u00fchren zu wollen. Keine Angst vor seinem Urteil oder seiner Reaktion zu haben. Einen Kanal zwischen euch zu \u00f6ffnen. Nicht im Glask\u00e4fig zu bleiben. Sich nicht zu verigeln. Das ist ein Schl\u00fcsselverst\u00e4ndnis! Man hat diesen Kanal teilweise intuitiv. Aber um auf ihn jederzeit Zugriff zu haben, braucht es Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diesen Prozess und \u00dcbung! <\/p>\n\n\n\n<p>Ich werde also daran \u00fcben, S\u00e4tze abzulegen und S\u00e4tze sterben zu lassen. Und die Wiedergeburt der S\u00e4tze findet dann in den Zuschauern statt, das ist allerdings nicht l\u00e4nger in meinem Aufgabenfeld. Ich muss anz\u00fcnden. Und dann vertrauen. Nicht aus einer Idee raus spielen. Sondern das tun, was ich habe, das abgeben und nun vertrauen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Mitsch\u00fcler sagte in der Nachfolgenden Reflexionsphase etwas h\u00f6chst interessantes: Er meinte, dass er f\u00fcrs S\u00e4tze ablegen ein Gegen\u00fcber braucht, sei es auch nur ein toter Gegenstand. Ansonsten w\u00fcrden die S\u00e4tze an einem kleben bleiben. Das hat f\u00fcr mich seither so viel Sinn ergeben! Etwas aus meiner Blase rausschaufeln erfordert einen neuen Ort, wo es hinkann! Ich testete das Prinzip auch mit meinen Alltagsproblemen, um einen freien Kopf zu bekommen. Sobald ich meine Probleme an Gegenst\u00e4nde \u00fcbergab, wurde ich innerlich freier und hatte Platz f\u00fcr Fokus und Konzentration auf unsere Arbeit. <\/p>\n\n\n\n<p>DER MENSCH IST NUR DA FREI, WO ER SPIELT! <\/p>\n\n\n\n<p>Eine These, die mich seit l\u00e4ngerem verfolgt. Aber wirklich SPIELEN, f\u00fchlt sich tats\u00e4chlich wie pure Freiheit an. Und durch dieses Erlernen der Spielfreiheit, wird mir offengelegt, wo im Altag ich unfrei bin und was die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind! Ich erlerne also in gewisser Art und Weise Freiheit! Und dadurch auch ein aufrechtes Standing in der Welt. (Man richtet sich \u00fcbrigens aus dem Beckenboden aus auf, um beweglich zu bleiben. Aufrichtung aus dem Brustkorb heraus versteift &#8211; auch etwas sehr wichtiges, was ich gelernt habe!) <\/p>\n\n\n\n<p>All diese Dinge habe ich dann nachmittags auf meinen Monolog angewendet. Und ich habe mich endlich wieder wie eine Spielerin gef\u00fchlt. Den Rausch, den ich hier an der Schule schon \u00f6fter erleben durfte. Der Zugang zu Inspiration und einem anderen SEINS-Zustand. Und das haben auch meine Mitsch\u00fcler bemerkt und mir nach dem Unterricht reflektiert!<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht kann man hier doch den R\u00fcckgang in die Ursprungsform der Feder mitandenken. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, wie wir wissen. Nur weil eine Sache intelektuell verstanden wurde und einmal geklappt hat, hei\u00dft es nicht das man jetzt jederzeit auf sie zugreifen kann. Definitiv nicht. Aber der Zugang ist gelegt und mit viel \u00dcbung kommt man seinem Ziel wohl immer n\u00e4her! <\/p>\n\n\n\n<p>Hab keine Angst und lasse los! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Loslassen &#8211; ein Federsprung Lernprozesse erfolgen nicht immer linear! Sie sind eher vergleichbar mit einer Feder! Keine Vogelfeder. 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